Genitiv – Personalsuffixe statt „של“

Zum grundsätzlichen Verständnis des Genitivs muss man sich zunächst vor Augen halten, dass der Gentiv im weitesten Sinne immer ein Besitzstandsanzeiger ist, denn erst dann werden die hier dargelegten Regeln verständlich. In der deutschen Umgangssprache wird häufig der Dativ als eine Art Ersatzgenitiv verwendet, so z. B. hört man oft Kunstruktionen wie: „Dies ist das Auto von meiner Freundin“. Das ist zwar nicht falsch, aber korrekter müsste es heißen: „Dies ist das Auto meiner Freundin“, also ohne das „von“. Im ersten Beispiel wird der eigentlichte Genitiv, nämlich die Freundin, durch das „von“ zum Dativ umkonstruiert.
Exakt dieselben beiden Konstruktionsmöglichkeiten gibt es im Hebräischen. Genitive werden gern mit  של „schel“ = „von“ kontruiert. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anstatt des  של das jeweilige Personalsuffix des zugehörigen Possesivpronomens (של+Personalendung) dem Genitivobjekt hinten anzuhängen. Dazu entfällt dann aber das של der nachfolgend aufgeführten Possesivpronomen:

1. Person Singular, (ich אני ) mein: scheli: שלי
2. Person Singular Maskulinum, (du אתה ) dein: schelcha: שלך
2. Person Singular Femininum, (du את ) dein: schelach: שלך
3. Person Singular Maskulinum, (er הוא ) sein: schelo: שלו
3. Person singular Femininum, (sie היא ) ihr: schelah: שלה
1. Person Plural, (wir אנחנו ) unser: schelanu: שלנו
2. Person Plural Maskulinum, (ihr אתם ) euer: schelachem: שלכם
2. Person Plural Femininum, (ihr אתן ) euer: schelachen: שלכן
3. Person Plural Maskulinum, (sie הם ) ihr: schelahem: שלהם
3. Person Plural Femininum, (sie הן ) ihr: schelahen: שלהן

Es ist im Hebräischen aber nicht beliebig, wo die eine und wo die andere Form verwendet wird, auch wenn es dort – ebenso wie in jeder anderen Umgangssprache – in der gesprochenen Form alle Varianten gibt. Ein oft wiederholter Fehler ändert dennoch die Regel nicht.

Die Regel lautet: Die Form mit dem angehängten Personalsuffix wird nur dann verwendet, wenn es sich um ein BESTIMMTES Objekt handelt, also z. B. ein bestimmtes Buch, ein bestimmtes Kind, ein bestimmtes Auto, also Dinge, denen der bestimmte Artikel vorangeht, der im Hebräischen mit  … ה „ha“ ausgedrückt wird. Es handelt sich dabei durchweg um Dinge oder Personen wie Schwester, Bruder, Oma, Onkel usw., von denen es mehrere geben kann. Eine Ausnahme hiervon bilden Personen (auch Mutter und Vater, von denen jeder in der Regel nur eine/einen hat), Städte, Länder, auch Nase, Mund, Augen, also alles „Dinge“, die aufgrund ihrer Natur klar zuzuordnen sind. Das …ה  „ha“ selbst aber entfällt in der Form mit der Personalendung.

Die Bildung der entsprechenden Formen leitet sich vom סמיכות „Smichut >>>“ ab.

So wird bei Gegenständen oder Personen im femininum singular, die in der Regel im Hebräischen mit ה  (hei) enden, das ה „hei“ zum ת „taw“. Aus  החתולה שלי „ha-chatula scheli“ (meine Katze) wird חתולתי „chatulati“, aus  המורה שלנו „ha-mora schelanu“ (unsere Lehrerin) wird  מורתנו „morat(e)nu“ (das geklammerte e als Schwa vokalisiert, also sehr knapp, wie übrigens bei allen anderen Formen, die sonst „unaussprechlich“ erscheinen wg. der Konsonantfolge).

Im maskulinum singular wird der Grundform das Personalsuffix angehängt, auch hier entfällt der bestimmte Artikel … ה „ha“: „ha-dag scheli“ (mein Fisch) wird zu דגי „dagi“, „ha-chawer schelcha“ חבר שלך wird zu חברך „chawercha“ (dein Freund).

Im maskulinum plural wird das ם „Mem-Sofit“ einfach weggelassen und die Persoanlendung angehängt, die reluläre Endung   ים …  „im“ wird so z. B. in der ersten Pers. sing, zu י … „ai“ (nicht ei!), so z. B. „meine Bücher“ הספרים שלי  „ha-sfarim scheli“ wird zu „sfarai“ ספרי .

Im femininum plural wird die Personalendung der bestehenden Form einfach angehängt, so z. B. ha-jeladot schelahem (ihre Mädchen) ילדותם „jeladotam“.

Leider gibt es -wie überall- Ausnahmen von dieser Regel, hier vor allem im Bezug auf die Vokalisierungen. Es gelten aber dieselben Ausnahmen wie beim Smichut – status constructus.

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