Die Binjanim, Grundsätzliches

Immer wieder begegnet man in der hebräischen Grammatik dem Begriff „Binjan“ oder seiner Pluralform „Binjanim“ im Zusammenhang mit Wurzelkonsonanten und Verben. Binjan heißt zunächst einfach nur „Gebäude“ oder auch „Baukonstruktion“, und somit deutet er schon auf seine Funktion hin. Ein Großteil der hebräischen Grammatik spielt sich rund um die Verben ab, daher ist die Kenntnis und Beherrschung der Binjanim elementar.

Es gibt sieben Stück an der Zahl, wobei einige noch kleinere Ausnahmegruppen enthalten, die leichte Modifikationen zum zugeordneten Binjan aufweisen. Die Binjanim haben große Bedeutung für die Bildung der Vergangenheitsformen. Das klingt auf den ersten Blick kompliziert und aufwändig, aber in der Praxis ist diese geniale Idee von der Einteilung der Verben in Binjanim, die ein paar Wissenschaftler vor etwa 1000 Jahren hatten, sehr systematisch und logisch und daher auch gut lernbar. Alle anderen Denkmodelle haben sich nicht durchgesetzt.

Der Binjan ist mehrdimensional und ist daher nur teilweise vergleichbar mit dem Begriff „Konjugation“ im herkömmlichen Sinne, er geht darüber hinaus. Ihm zugrunde liegt das Vorhandensein von Wurzelkonsonanten, die in der Regel als Dreiergruppen vorliegen und eigene Bedeutungsgruppen haben. Sie können innerhalb einer Bedeutungsgruppe sowohl in Verben, Substantiven, Adverbien und Adjektiven vorkommen. Die Binjanim selbst betreffen nur die Verben. Zum einen ist es die rein morphologische Veränderung eines Verbes, welches nach bestimmten Bildungsgesetzmäßigkeiten des entsprechenden Binjan konjugiert wird. Das betrifft sowohl die Vokalisation der Konsonanten als auch Partikel in und an den Verben. Hierbei spielt das Geschlecht, die Person, die Anzahl und die Zeit eine Rolle. Die Binjanim sagen darüber hinaus aber auf etwas über die eigentliche Verbfunktion aus, z. B. ob es sich um eine einfache aktive Tätigkeit (essen, gehen, lesen), eine interaktive Tätigkeit (besuchen, vorlesen, reden) oder z. B. eine passive Tätigkeit (etwas mit sich tun lassen) handelt.

Da die Hebräer sehr praktisch vorgehen, kamen sie damals auf die Idee, den Begriff für das Wort „Verb“, der sich unmittelbar aus dem Wort „tun, handeln“ ableitet, als Wortbasis für alle Binjanim zu nutzen. Es ist das Wort „lif’ol“ hebr.: לפעל
Da die Wurzelkonsonanten in Reinform bei den hebräischen Verben in der 3. Person maskulinum singular Perfekt im Hauptbinjan (Pa’al) vorliegen, zog man dieses Wort, also „er machte, er tat“ „pa’al“ hebr.: פעל als Ausgangsbasis heran.
Pa’al heißt denn auch der wichtigste Binjan. Aber damit nicht genug. Die drei Wurzelkonsonanten פ -ע- ל wurden als feste Begriffe für alle sieben Binjanim zur Grundlage.

Diese drei Wurzelkonsonanten für sich genommen lassen nun Spielraum für allerhand Vokalisierungsmöglichkeiten, z. B. pa-al, pi-el, pu-al.
Die folgende Tabelle zeigt die Zusammenhänge innerhalb der sieben Binjanim rund um die Wurzelkonsonanten und deren Vokalisierung + Partikel auf (man beachte dabei, dass der hebräische Buchstabe פ gesprochen sowohl f als auch p sein kann, je nach Position innerhalb des Wortes):

Binjanim-Tabelle

Pars pro toto

Die drei Wurzelkonsonanten פ -ע- ל stehen stellvertretend symbolisch nun für diejenigen aller anderen Verben. Bestimmte Partikel und Vokale, die als fester Bestandteil zum jeweiligen Binjan dazugehören, sind gleich in seinen Namen eingeflossen.
In diesem Blog stelle ich jeden einzelnen Binjan detailliert vor. Noch ist diese Ausarbeitung nicht vollständig, doch das ändert sich im Laufe der nächsten Monate.

Die bislang fertiggestellten Artikel über die einzelnen Binjanim finden Sie hier:

Vergangenheit des Pa’al פעל
Vergangenheit des Pa’al lamed hei פעל ל“ה
Vergangenheit des Pa’al ajin waw (iod) פעל ע“ו
Vergangenheit des Pi’el פעל
Vergangenheit des Hif’il הפעיל
Vergangenheit des Hitpa’el התפעל

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Eine Antwort zu Die Binjanim, Grundsätzliches

  1. Pingback: Pa’al-Futur, sämtliche Formen פעל עתיד | Ivrit – modernes Hebräisch lernen

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