Vokale-Vokalisation-Lesehilfen

Die hebräische Schrift kennt keine Vokale. Das macht das Lesen hebräischer Texte nicht gerade einfach.
Nach der Zeit der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels gerieten die meisten Juden durch Vertreibung in die Diaspora, und das Hebräische wurde immer seltener gesprochen und drohte nach und nach zu einer toten Sprache zu werden, denn es wurde zeitweise – bis auf kleine Restkommunitäten – fast nur noch in der Liturgie benutzt.

Man empfand diesen Zustand insofern als bedrohlich, als dass die korrekte Vokalisierung der Texte und damit die eigentliche Aussprache in Vergessenheit zu geraten drohte. So sah man die dringende Notwendigkeit, Lesehilfen in Form von Punkten und Strichen den Buchstaben beizustellen. Ursprünglich kannten die Hebräer biblischer Zeiten dies nicht, und heute werden in Israel in der offiziellen Schreibung diese Lesehilfen auch nicht mehr benutzt, bis auf wenige Ausnahmen bei ausländischen Eigennamen und neu eingeführten Fremdworten.
Unterschiedliche Schulen benutzten anfangs unterschiedliche Zeichen, und am Ende durchgesetzt hat sich diejenige der Masoreten (entwickelt seit Ende des 2. Jahrhunderts neuer Zeitrechnung).
Einige dieser Zeichen haben im modernen Hebräisch keine Bedeutung mehr, und so beschränke ich mich hier auf die heute in modernen vokalisierten Texten, Grammatiken und Wörterbüchern gebräuchlichsten. Es gibt noch einige weitere, die von weniger großer Bedeutung und relativ selten sind.

Im Laufe der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Benutzung der Vokale auch ohne Lesehilfen. Ich empfehle dringend, entweder von Anfang an völlig ohne Lesehilfen zu lesen (was zunächst sicher sehr mühsam ist aber sich recht schnell auszahlt) oder aber immer zwischendurch auf unpunktierte Texte umzusteigen. Erfahrungsgemäß ist ein Umlernen von ausschließlich punktierten Texten auf unpunktierte fast unmöglich.

Das Hebräische kennt dieselben Vokale wie das Deutsche: a,e,i,o,u. Hinzu kommt das sog. Schwa, es sieht aus wie ein Doppelpunkt unter einem Buchstaben. Dies ist in Wahrheit ein Vokalausfall, der grammatikalisch bedingt ist und/oder je nach Einzelfall mit einem sehr knappen e einhergehen kann. Echte Diphthonge (ä,ö,ü) wie im Deutschen kennt die hebräische Sprache nicht.

Am Beispiel verschiedener Buchstaben stelle ich nun die wichtigsten Zeichen dar:

Vokal a
Vokal-a

Der waagerechte Strich wird kurz gesprochen. (Patach)
Die T-förmige Figur wird lang gesprochen. (Kamats)
Der waagerechte Strich mit dem Schwa rechts daneben ist ein sehr kurzes a. (Chataf patach)

Vokal e
Vokal-e
Die beiden Punkte nebeneinander bedeuten ein langes e. (Tsere)
Drei Punkte bedeuten ein kurzes e. (Segol)
Drei Punkte mit einem Schwa dahinter (also fünf Punkte) bedeuten ein sehr kurzes e. (Chataf segol)

Vokal i
(Chirek)
Vokal-i

Vokal o
(Cholam)
Vokal-o

Vokal u
Vokal-u
Der Punkt links neben dem Buchstaben bedeutet ein langes u. (Schuruk)
Die drei diagonalen Punkte unter dem Buchstaben bedeuten ein kurzes u. (Kubbuts)

Neben der Vokalisation können Punkte auch eine weitere Bedeutung haben.
So ist der Buchstabe für Schin (deutsch sch) und Ssin (deutsch scharfes s) identisch.
Die Varianten werden in vokalisierten Texten folgendermaßen unterschieden:
Punkt oben links: Ssin, Punkt oben rechts: Schin
Schin und Ssin

In vokalisierten Texten werden durch einen Punkt in der Mitte Kaf von Chaf, Bet von Wet und Pe von Fe unterschieden (Dagesch):
Patach

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