Status constructus – סמיכות

Der sogenannte status constructus, hebräisch סמיכות (ßmichut) hat die Funktion, mehrere Worte zu einem neuen Begriff aneinanderzufügen. Die Deutschen sind Weltmeister darin, Worte zu einem neuen Begriff aneinanderzukleben und damit neue Mammutwortgebilde zu kreieren. So ein Wort ist z. B. der „Fahrkartenautomat“, die „Autoreparaturwerkstatt“ und viele andere mehr. Das Bedürfnis zu solchen Kombinationen gibt es in anderen Sprachen auch, und im Hebräischen gibt es dafür den status constructus. Der Begriff ßmichut סמיכות leitet sich aus dem Bereich der Stammkonsonanten um „stützen“ ab. Der erste Begriff des zusammengesetzten Begriffs steht im status constructus und ist das Gestützte, der zweite Begriff steht im status absolutus und ist das Stützende.

Dabei werden die einzelnen Worte nicht wie im Deutschen aneinandergeklebt sondern einzeln hintereinandergeschaltet. Der Begriff „status constructus“ beschränkt sich auf die Verwendung zweier oder mehrerer Substantive. Damit erfüllt er automatisch auch die Funktion eines Genitivs, ist aber nicht die einzige Genitivbildung im Hebräischen. Das erste Substantiv steht dann im status constructus und ist verändert, das folgende Substantiv bleibt im status absolutus und ist unverändert.

Das klingt dann z. B. so:

Synagoge, wörtlich: Haus der Versammlung, בית כנסת (Achtung: beit kneßet anstatt bait kneßet)

Schule, wörtlich: Haus des Buches, בית ספר (Achtung: beit ßefer anstatt bait ßefer)

Premierminister, wörtlich: Kopf der Regierung ראש ממשלה

Der s.c. tritt in allen vier „Personen“ auf, wie eben auch die Substantive, mit denen er gebildet wird: maskulinum-singular, femininum-singular, maskulinum-plural, femininum-plural. In jeder dieser Formen unterliegt er eigenen Bildungsregeln, auf die ich hier näher eingehe.
Das jeweils erste Wort (status constructus) verändert sich entweder nur phonetisch oder auch in seiner Schreibweise.
Da es im Hebräischen kein eigenes Wort für den bestimmten Artikel gibt, wird bekanntlich ein „ha“ ה dem jeweiligen Begriff vorangestellt, wenn man konkret werden will. Meint man z.B. nur einfach irgendein „Buch“, womit ein unbestimmtes Buch oder das Buch im Allgemeinen gemeint ist, schreibt man ßefer: ספר
Meint man aber ein bestimmtes Buch, schreibt man „Das Buch“, Haßefer: הספר

Beim s. c. wandert im Falle des bestimmtes Artikels das ha ה vor das letzte Wort, also vor dasjenige im status absolutus, so z. B. Schule (im Allgemeinen): בית ספר ; DIE Schule (eine bestimmte Schule): בית הספר

1. maskulinum-singular:
Wie in unseren oberen Beispielen schon aufgeführt, kann sich das Wort im s. c. in der Aussprache verändern: hier beit statt bait. In manchen Fällen verändert sich nichts, wie z. B. beim Premierminister: ראש ממשלה
Da sich im unpunktierten Hebräisch schriftlich nichts verändert, sehen die Worte des s. c. genauso aus wie diejenigen, die nicht im s. c. stehen. (s. בית).

2. femininum-singular:
Viele Substantive im femininum-singular enden auf ה (ha). Diese Substantive mutieren im s.c. zum ת (at), so z. B. משפחה (mischpacha – Familie) wird im s.c. zu משפחת (mischpachat). Sofern die Worte schon auf ת enden, verändert sich nichts.

3. maskulinum-plural
Beim maskulinum-plural wird – kurz gesagt – aus der typischen Endung ים (im) ein Doppelvokal י (ej), so z. B. wird aus שיעורים (schi’urim – Lektionen) im status constructus שיעורי schi’urej.
Diejenigen Begriffe, die als maskuline Ausnahmen im Plural eine femininum-Endung haben, verhalten sich im s.c. wie femininum-plural.

4. femininum-plural
Das ist im einfachen s.c. simpel, denn es ändert sich m Vergleich mit der normalen femininum-plural-Form nichts, es sei denn, es ist ein Präfix wie z. B. ב oder ל davor. In diesem Fall kann die Aussprache stark von der Grundform abweichen. Dabei empfiehlt es sich, sie sich im Bedarfsfall einzuprägen.

Ausnahmen
Wie überall gibt es auch beim status constructus einige Ausnahmen, die ich hier nicht ausgeführt habe. In Wörterbüchern sind sie neben der normalen Pluralform aber in der Regel mit aufgeführt.

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